Feenspiegel

Wunder der Nacht




Wunder der Nacht

Der Frühlingsvollmond füllt die Nacht
mit seinem lichten Rund.
Ein kleiner Blumenelf erwacht
auf seiner Blüte Grund.

Er ist bereit hinaus zu gehn,
die Blüte zu verlassen,
die Wunder dieser Nacht zu sehn,
die ihn nicht schlafen lassen.

So öffnet er die Blüte sacht,
steigt aus dem Kelch hervor
und schwingt auf seinen zarten Flügeln

sich in die Luft empor.


ein Bild


Flug zum See
 

Der Vollmond scheint auf Feld und Wald
mit seinem Silberlicht.
Von fern ein Eulenruf erschallt.
Den Elf erschreckt das nicht.

Vertraut ist ihm rings in der Flur
was lebt, wächst und gedeiht,
denn er ist eins mit der Natur
zu jeder Jahreszeit.

Der kleine Elf fliegt rasch dahin
durch laue Frühlingsnacht.
Zum Schilf am See zieht es ihn hin,
zur blauen Iris Pracht.


 

Nixengesang

Vom See, wo Wind im Schilfe rauscht
tönt wonnig zarter Klang.
Der kleine Elf andächtig lauscht
der Nixe Nachtgesang.

Wie glockenhell die Stimme klingt
erzählt von Frühlingszeit,
wenn Sonne endlich Wärme bringt,
den See vom Eis befreit.

Von neuem Leben nun erfüllt
ist rings die Wasserflut
und träumt vom Mondlicht eingehüllt
von Sommersonnenglut.


Der Weg durch den Wald

Der kleine Elf lauscht lang verzückt
der Nixe Nachtgesang,
der tief sein Innerstes beglückt
mit seinem hellen Klang.

Dann hebt er seine zarten Flügel
und schwingt sich wieder in die Luft.
Sein Ziel ist nun der Feenhügel
wohin ihn seine Sehnsucht ruft.

Sein Flug führt in den Wald hinein
doch dunkel ist es dort heut nicht.
Der Blätter Knospen sind noch klein,
den Weg erhellt das Vollmondlicht.

 

Das Taumännchen

Gar manches Wesen lebt im Wald,
für Menschenaugen unsichtbar.
Oft ist recht klein es von Gestalt,
und hat doch Kräfte wunderbar.

Im Wurzelwerk der alten Linden
ist das Taumännchen zu Haus.
Am Tage ist es nicht zu finden,
geht nur nach Mitternacht hinaus.

Leise zieht es durch den Wald,
sprüht feine Tröpfchen auf das Gras.
An jedem Blättchen sieht man bald
Glitzerperlen wie aus Glas.


Bote Waldkauz

Waldkauz kommt auf leisen Schwingen
landet vor dem Taumann sacht.
"Könntest du wohl Hilfe bringen
eh die Menschenwelt erwacht?

Bruder Fuchs kann sich nicht rühren
seine Pfote ist verletzt.
Komm, ich will dich zu ihm führen,
steig auf meinen Rücken jetzt!"

Auch der Elf hat es vernommen,
folgt dem Waldkauz durch die Luft.
Seine Liebe heißt ihn kommen,
wenn ein Tier um Hilfe ruft.

 
Befreiung

Bald haben sie den Platz erreicht,
wo Füchslein seine Pfote leckt.
Jedoch die Hilfe wird nicht leicht,
weil sie in Jägers Falle steckt.

"Die kranke Pfote kann ich heilen,"
spricht der Taumann mit Bedacht.
"Doch dürfen wir hier nicht verweilen,
denn vorbei ist bald die Nacht!"

Leise schwebt der Elf hinzu
berührt das Menschenwerk nur sacht.
Die Falle öffnet sich im Nu,
die Befreiung ist vollbracht.

 

Elfenzauber

Voll Dankbarkeit der Fuchs nun spricht:
"Das hätt ich wahrlich nie gedacht,
dass einmal so ein kleiner Wicht
mir Hilfe in der Not gebracht!

Woher hast du nur so viel Macht?
Du bist doch nur so zart und klein!"
Der Elf erwidert: "Diese Nacht
kann ich für jeden Helfer sein.

Doch wenn vorüber ist die Nacht,
so werden meine Kräfte schwinden.
Drum muss ich eh die Sonn erwacht
den Hügel unsrer Waldfee finden."

 

Das Lied der Nachtigall

Oh hört, welch wundersamer Klang
ertönt dort aus den Zweigen?
Es ist der Nachtigall Gesang,
sie singt vom Elfenreigen.

Wenn in den Morgennebeln bleich
über die Wiesen gleiten
die Schönsten aus dem Feenreich
und dort im Tanze schreiten.

Voll Sehnsucht lauscht das Elfenkind
erhebt die zarten Flügel,
fliegt in die Waldesnacht geschwind
und sucht den Feenhügel.

 


ein Bild




Fortsetzung folgt