Feenspiegel

Herbstzeit

Herbstzeit




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Herbstgedanken

Klare Nächte
sanfter Abschied vom Sommer.
Sterne zum Berühren,
Windhauch, der streichelt.
Der Wunsch
weiter und weiter zu gehen.
Eins sein
mit der Nacht,
der Luft, den Sternen.
Rückkehr
zwischen Mauern
wäre freiwillige Gefangenschaft.

 


 


Herbstzeit
 

Es kommt die Zeit

der Regenschauer,

der Herbstgewitter,

der Sturmböen,

der Nebelschwaden,

die um die Häuser und durch die Wälder ziehen.

 

Es kommt die Zeit

des Abschiednehmens,

des Vergehens,

des Verwelkens,

des wehmütigen Erinnerns,

an helle warme und freundliche Tage des Sommers.

 

Es kommt die Zeit,

der Besinnung,

des Kräftesammelns,

der Einkehr,

der Behaglichkeit

bei warmem Kerzenschein und duftendem Tee.

 

 



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Herbstgold
 

Sieh im leuchtenden Gold des Herbstes
nicht voll Wehmut
das Ende des Sommers!

Es ist nur ein Abschnitt
im ewigen Kreise.

Hinter jedem fallenden Blatt
wartet eine Knospe
auf den Frühling ihres Lebens.

 

Neuer Herbst

Wieder ist es Herbst geworden
Blätter tanzen Totentanz.
Kühler Wind kommt bald von Norden
blasser wird der Sonne Glanz.

Sommer möchte noch nicht scheiden
Winter drängt ins Land hinein,
und wir müssen nun erleiden
Regenmix mit Sonnenschein.

Laub liegt matschig auf den Wegen
Wolken fliegen mit dem Wind.
Unvermittelt prasselt Regen.
Durch die Pfützen patscht ein Kind.

Abendsonne taucht dann wieder
Feld und Wald in goldnen Schein
Nebel wallen auf und nieder
und ich weiß: Herbst muss so sein!


Herbstglut

Der wilde Wein umrankt das alte Gemäuer,
gibt im herbstlichen Leuchten
dem Mauerwerk
ein neues, warmes Gesicht.

Über dem träge dahinfließenden Fluss
steigt Nebel zum Abendhimmel empor,
lässt Bäume und Sträucher
feenhaft verschwimmen.

Der letzte Kuss der tiefstehenden Sonne
lässt die Reste
zerbrochener Fensterscheiben
Lichtblitze aussenden.

Der Sommer nimmt Abschied,
gibt das leuchtende Zepter
seinem Bruder Herbst
in die bereitwillig ausgestreckte Hand.




Das letzte Blatt am Baum

Einsam häng ich hier am Baume, 
die Gefährten sind verschwunden. 
Aus ist's mit dem Lebenstraume 
und dahin die schönen Stunden. 

Golden trifft die Abendsonne 
auf mein braunrotgoldnes Kleid. 
Verschwunden ist des Sommers Wonne, 
zum Sterben bin ich nun bereit.

Ach ich weiß, ich muss nun fliegen, 
letztes Blatt von diesem Baum, 
dann auf nasser Erde liegen. 
Knospenkinder brauchen Raum. 

Wachsen wollen sie und schwellen, 
bersten dann im Frühlingslicht 
und dem Sonnenlicht, dem hellen 
zeigen ihr zartgrün' Gesicht.



Goldener Oktober

Die tiefstehende Sonne zaubert goldenen Glanz
auf die Wipfel der Bäume.
Atemlos hingehaucht schweben zarte Wolkenschleier
unter schimmernd blauem Firmament.

Glitzernd gleitet ein stählerner Vogel
fernen, unbekannten Zielen zu.
Zugvögel überziehen zielstrebig das Blau
mit Linien, Wellen und Keilen.

Raureif auf Gräsern und Dächern
weicht der Mittagssonnenwärme,
löst sich in glitzernde Tropfen,
die das Gespinst im Heidekraut zieren.